Interview mit Hearoic Gründer Björn Korthof

1. Björn, nicht jeder kennt dich bzw.euer Label, würdest du dich kurz vorstellen?

Nun gut ;) Mein Name ist Björn Korthof, ich bin 28 Jahre alt und habe vor zwei Jahren zusammen mit meinem Freund Jörg Schuler HEAROIC gegründet, um unser Hörspiel "Eine Falle für He-Man" für den Spielzeugriesen Mattel zu produzieren.

War das kurz genug? :)

2. Wie seid ihr darauf gekommen selbst Hörspiele zu machen?

Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der das Medium Hörspiel boomte. Serien wie TKKG, Drei Fragezeichen oder eben auch Masters of the Universe waren in jedem Kinderzimmer zu finden. So auch in unseren. Es hat sich bei uns eine starke Affinität zu dem Medium Hörspiel entwickelt. Jörg ist gelernter Tontechniker, ich studiere Film- und Fernsehwirtschaft. Diese Talente, wenn man so will, wollten wir kombinieren. Daraus entstand HEAROIC. Unabhängig voneinander haben wir bereits erste Erfahrungen mit Fan-Hörspielproduktionen sammeln können. Und als wir dann die Gelegenheit hatten, unser liebstes Hobby mit unserem zweitliebsten Hobby zu kombinieren (den Masters of the Universe), haben wir begeistert zugegriffen und unser Erstling produziert, zu dem übrigens im Mai der nächste Teil erscheinen wird - Das Grauen aus der Tiefe.

3. Ihr habt einen Award sowohl für eure Hörspiele als auch für euer Label an sich bekommen. In wie weit hat euch das überrascht?

Total! Wir haben mit der Falle ja nur ein kleines Sparten-Hörspiel produziert, so dachten wir. Dass wir damit gegen Giganten wie John Sinclair oder Drei Fragezeichen, die seit Jahren oder Jahrzehnten erscheinen und eine wahnsinnig grosse Fangemeinde hinter sich haben, überhaupt bestehen konnten, ist irre. Ich vermute, wir hatten einfach den Überaschungsvorteil, denn niemand hat seinerzeit mit neuen Masters-Hörspielen gerechnet. Und ich denke auch, dass dieser doch recht gewagte Vorstoss in einer Zeit, wo alles was mit He-Man zu tun hatte, eingestellt wurde, ausschlaggebend dafür war, dass nicht nur das Hörspiel, sondern auch wir als Label einen Award bekamen. Jedenfalls finden wir es klasse, und wir haben uns fest vorgenommen, die seitdem in uns gesetzten Erwartungen und Hoffnungen nicht zu enttäuschen.

4. Bringen diese Awards einen gewissen Leistungsdruck mit sich? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Uff. Ja, eigentlich bringen sie schon einen gewissen Leistungsdruck mit sich. Nicht zuletzt stand der Wunsch nach neuen He-Man Hörspielen immerhin noch auf Platz drei der Awards im Jahr 2005. Dass wir zwei Jahre lang diesem Wunsch nicht entsprechen konnten, weil wir uns mit dem Lizenzgeber nicht auf Art und Umfang der Hörspiellizenz einigen konnten, nagte schon sehr an uns. Wir haben dann den Sprung nach vorn gewagt, und eigene Hörspiele entworfen. Allen voran natürlich MIND, unser aktueller 100-minütiger Thriller. Aber auch "Das Grauen aus der Tiefe", ein weiteres He-Man Hörspiel, welches als Non-Profit Projekt läuft und geduldet wird, steht in den Startlöchern.

Unser Ziel ist es, nahezu perfekte Hörspiele zu produzieren. Wir wollen mit unseren Produktionen zeigen, dass wir kein One-Hit Wonder sind. Die Leidenschaft fürs produzieren treibt uns munter voran, und mit jedem neuen Hörspiel setzen wir unsere Messlatte einen Schritt höher. Ich hoffe, das merkt man den Hörspielen auch an.

5. Eure Fan-Gemeinde wünscht sich für 2007 weitere MOTU Hörspiele. Was ist in diese Richtung geplant?

Bereits letztes Jahr haben wir diverse Fan-Hörspiele zum Thema Masters of the Universe veröffentlicht. Seien es die Saarländischen Comedy-Hörspiele um die "Mahschdas off de Junivers", oder das englischsprachige Read-Along "The Shard of Darkness" zum gleichnamigen Comicheft.

Mit dem im Mai erscheinenden Hörspiel "Das Grauen aus der Tiefe" setzen wir nun eine seriöse und professionelle Produktion nach. Wie bereits gesagt, wird sie als Nicht-kommerzielles Fanprojekt geduldet. Das bedeutet aber nicht, dass wir lediglich talentierte Fans vor den Mikros hatten. Mit Tobias Kluckert und Klaus-Dieter Klebsch sind die Synchronsprecher der beiden Hauptfiguren He-Man und Skeletor aus der 2003er Zeichentrickproduktion vertreten. Darüber hinaus haben wir Helgo Liebig, der in 130 Folgen des 80er Jahre Cartoons He-Man gesprochen hat; Engelbert von Nordhausen, der im Kinofilm mit Dolph Lundgren Skeletor sprach, und Karl-Walter Diess, der in den Europa-Produktionen die Rolle des Man-At-Arms übernahm.

Dies mal nur, um einige Beispiele zu nennen.

Leider ist die Produktion eines Hörspiels recht teuer, erst Recht, wenn sie mit Privatvermögen finanziert werden muss und kein Geld damit verdient werden darf. Daher muss sich erst zeigen, ob die Rechnung aufgeht, die Produktionskosten wieder reinkommen, und weitere Non-Profit-Hörspiele produziert werden können. Ideen sind jedenfalls reichlich vorhanden.

6. Mit "Mind" habt ihr ein kommerzielles Hörspiel in die Regale gebracht. Was macht es eurer Meinung nach so besonders?

Also wenn ich schon so dreist werben soll, dann mach ich das auch :-D

MIND besticht durch hervorragende und unverbrauchte Sprecher in den Hauptrollen. Sprecher, die nicht in jedem zweiten Hollywood Film auftauchen, und bei deren Stimme man sich nicht sofort sagt "Oh, das ist Brad Pitt, oder das da ist Angelina Jolie, oder die Stimme ist doch der Johnny Depp"... Obwohl wir beispielsweise mit Volker Brandt oder Tilo Schmitz durchaus auch solche "hochkarätigen Stars" verpflichten konnten. Bei MIND steckt aber eigenes Leben in allen Charakteren, nicht ein durch Hollywood-Schauspieler vorgeprägtes Bild.

Des weiteren ist die Geschichte so erschreckend plausibel und nachvollziehbar, und das Setting in naher Zukunft so realistisch dargestellt, dass man wirklich meinen könnte, dass es genau so passieren kann und wird.

Unser Sounddesign ist ebenfalls klasse. Besonders stolz sind wir auf das Lob einer blinden Hörerin, die sich dafür bedankte, dass wir mit dem Sounddesign so viel Arbeit, Kreativität und Detailverliebtheit bewiesen haben, dass sie die Handlung tatsächlich "sehen" konnte.

7. In "Mind" werden Probleme wie Massenarbeitslosigkeit, Trinkwasserknappheit angeprangert, welche in Zukunft auch in der Realität auf uns zu kommen könnten. War dir das wichtig, oder gehört so etwas für dich dazu um mehr Atmosphäre zu schaffen?

Diese Frage sollte eigentlich eher Jörg beantworten, der das Drehbuch geschrieben hat. Ich versuche es aber dennoch.

Sicherlich ist es wichtig, auf Probleme und Mißstände hinzudeuten, die in der heutigen Gesellschaft zur Tagesordnung gehören, oder bald gehören könnten. Dies darf aber niemals mit der Holzhammermethode geschehen, denn das stört den Hörer nur. Solche Details müssen gezielt eingesetzt werden. Nicht nur, um logischerweise auch das Setting der Geschichte zu umreissen, sondern auch, um die gezeigte Welt realistisch und nachvollziehbar zu machen.

Wenn wir erreichen, dass beim Hörer ein flaues Gefühl ob dieser erschreckenden Zukunftsvision im Magen entsteht, haben wir unsere Arbeit gut gemacht.

8. Hattet ihr ein mulmiges Gefühl im Bauch erstmals in die kommerzielle Richtung zu gehen?

Wenn ja, ist es jetzt eh zu spät :-)

Das Geld ist ausgegeben, das Hörspiel ist produziert und steht zum Kauf bereit. Wenn es ein Erfolg wird, besonders natürlich in finanzieller Hinsicht, machen wir weiter. Wenn nicht, wahrscheinlich trotzdem :-D

Wie ich schon sagte. Die Leidenschaft für gute Hörspiele steckt zu tief in uns.

9. Musstet ihr auch schon Rückschlägen verkraften oder blieben diese aus?

Das Trara um die He-Man Lizenz hat uns schon sehr zu schaffen gemacht. Wir waren bereit, eine tolle Serie zu produzieren, die jedem Fan gefallen hätte. "Eine Falle für He-Man", welches wir quasi als Generalprobe nutzten, hat uns auf Probleme aufmerksam gemacht und auf Dinge die noch nicht zu 100% zufriedenstellend sind. Auch zum Beispiel in der Besetzung der Charaktere. Und selbst mit dem Lizenzverwalter CTM hatten wir uns geeinigt. Das vorschnelle Aus dieser Serie seitens Mattel USA war dann doch sehr enttäuschend, denn damit hat niemand gerechnet.

Aber wie ich schon sagte, wir lassen uns nicht so schnell unterkriegen. Wenn wir einen Rückschlag erleiden, machen wir dafür einfach zwei Schritte vorwärts. Und dann mal weitersehen...

Steckbrief:

Name:
Björn Korthof

Alter:
28

Wohnort:
Wuppertal

Beruf:
Student für Film- und Fernsehwirtschaft

Hobbies:
Masters of the Universe, Kreativ sein

Mein Lieblingshörspiel:
Ich höre zu vieles zu gerne, um hier eines besonders hervor zu heben.

Diese Person würde ich gerne mal kennen lernen:
George Lucas

Diese 3 Dinge würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen:
Unbegrenzten Vorrat an Zeichenpapier und Stifte

Einen Multimedia PC mit Internetverbindung und Stromversorgung

Meine Verlobte

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